Flugverkehr geht nicht automatisch mit einem Wertverlust der Immobilie einher. Darauf machte kürzlich der IVD West aufmerksam mit Verweis auf das Beispiel Mainz: Wer heute in Mainz eine Immobilie kauft, die in einem Stadtteil liegt, der von Fluglärm betroffen ist, kalkuliert den Lärm mit ein. Denn der Flugverkehr hat nicht verhindert, dass sich einige Stadtteile wie Lauben- oder Hechtsheim zu bevorzugten Lagen entwickelten, für die Käufer bereit sind, hohe Kaufpreise zu zahlen.
Wer beispielsweise Ende der 70er Jahre am Laubenheimer Hang ein Einfamilienhaus für umgerechnet 200.000 Euro baute, kann dies heute unter Umständen für 400.000 Euro verkaufen, obwohl dort bereits beim Bau Flieger des benachbarten Frankfurter Flughafens das Grundstück überquerten. Diese Preisentwicklung deckt sich auch mit den Beobachtungen des Mainzer Gutachterausschusses. „Von einem Wertverlust kann also keine Rede sein“, meint Jürgen Weihgold, Immobilienmakler in Mainz und IVD-Vorstandsmitglied für Rheinland-Pfalz. Ob ein Eigenheim an Wert gewinne oder nicht und wie sich eine Lage entwickele, hänge von vielen Faktoren ab – Fluglärm sei einer von vielen, so Weihgold. Im Fall Laubenheim tragen neben der Lage (Rheinblick), die gute Verkehrsanbindung (gerade zum Flughafen) wesentlich dazu bei, dass sich der Stadtteil zu einem der beliebtesten Mainzer Wohnviertel entwickelte.
Ähnlich verhält es sich mit Hechtsheim. „Es ist nun müßig, darüber zu diskutieren, ob für Immobilien in diesen Gegenden 20 Prozent mehr gezahlt würde, wenn keine Flugzeuge darüber hinweg fliegen würden“, so Weihgold. In Mainz muss man in diesen Lagen für ein gebrauchtes, größeres und gepflegtes Einfamilienhaus 420.000 bis 500.000 Euro einrechnen, für ein Reihenmittelhaus etwa 250.000 Euro. Auch bei den Grundstückspreisen liegen Lauben- und Hechtsheim mit Quadratmeterpreisen von 440 bis 490 Euro an der Spitze der Mainzer Baulandpreise.
Wirtschaftssituation hat größeren Einfluss auf Immobiliepreise Andere Faktoren, so der Experte, wirken sich viel stärker auf die Immobilienpreise aus: Dazu zählt die wirtschaftliche Stärke einer Region und das damit verbundene Arbeitsplatzangebot. Wenn beispielsweise der Frankfurter Flughafen wirtschaftlich ins Trudeln käme und viele Leute entlassen würden, würden die Immobilienpreise vermutlich eher in Mitleidenschaft gezogen werden. Ein florierender Flughafen hingegen schafft zusätzliche Arbeitsplätze und damit mehr Nachfrage nach Wohnraum. Immobilien verlieren nur dann nachvollziehbar an Wert, wenn eine neue Lärmquelle hinzukommt: Also wenn beispielsweise eine Umgehungsstraße gebaut wird und die Anwohner an dieser Straße von heute auf morgen mit mehr Lärm rechnen müssen. Gleiches wird vermutlich auch beim Bau einer vierten Startbahn auf dem Frankfurter Flughafen auftreten: Teile der Kommunen von Hattersheim, Raunheim, Kelsterbach und Rüsselsheim, aber auch nördlich gelegenen Stadtteile von Mainz, die bis dato vom Fluglärm verschont blieben, müssten dann mit Fluglärm rechnen. Erfahrungsgemäß sinken dann in den ersten Jahren die Immobilienpreise, um sich danach wieder zu erholen.
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