Immobilienverband IVD

Mietest Du noch oder kaufst Du schon?

Immobilienerwerb im mobilen Zeitalter

Von Dagmar Faltis, CEO und Geschäftsführerin bei SmartExposé GmbH in Berlin

 

Von den 1.000 jungen Erwachsenen, die das Immobilienberatungsunternehmen CBRE kürzlich für seine Studie "Life-Work- Play: Millennials in Deutschland" gefragt hat, ob sie künftig in der eigenen Immobilie oder zur Miete wohnen möchten, gaben rund 30 % an, auf Eigentum verzichten zu wollen, um ungebunden zu bleiben.

Dabei wünschen sich viele 18- bis 34-Jährige durchaus eine eigene Immobilie, wie eine im Sommer 2016 veröffentlichte Erhebung der Postbank zeigt. Vor allem, weil sie unabhängig von steigenden Mieten sein möchten. Wie gelingt also der Spagat zwischen mobiler Lebensweise und Wohneigentum?

 

Traum der Elterngeneration ist vorbei

Als die Babyboomer jung waren, war das Leben planbar: Es gab feste Arbeitsverhältnisse, die Rente war sicher und sonntags kam die Schwiegermutter zum Kaffee. Der Traum vom Häuschen mit Garten wurde meist verwirklicht, wenn das erste Kind zu Laufen begann. Dann mussten die Raten abbezahlt werden. Nach 20 Jahren war es geschafft. Dann besaß man "etwas Eigenes", war stolz und im Alter abgesichert.

Für die heutige Generation gelten diese Konstanten nicht mehr. Statt Gewissheit gibt es Krisen. Statt Stabilität ist alles im Fluss.

Was heute Halt gibt, kann morgen Ballast sein. Denn wer sagt einem, dass es den jetzigen Job in zwei Jahren noch gibt oder man ihn dann noch machen möchte? Zumal sich vieles im Leben ohnehin digital abspielt, unabhängig von Zeit und Raum. Eine eigene Immobilie, mit der man sich fest verortet, scheint da nicht mehr zeitgemäß.

 

Mobil bleiben trotz Immobilie

Mit der Zwickmühle, in der junge Menschen stecken, die einerseits flexibel sein müssen und wollen und andererseits trotzdem ein urmenschliches Bedürfnis nach Sicherheit haben, hat sich der kanadische Immobilienexperte Alex Avery beschäftigt. In seinem 2016 erschienenen Bestseller "The wealthy renter" schlägt er vor, in jungen Jahren sehr wohl eine Immobilie zu kaufen, sie jedoch zunächst zu vermieten und erst dann selbst zu nutzen, wenn man sesshaft werden möchte bzw. die Raten durch die Mieteinnahmen getilgt wären und das Objekt schuldenfrei sei. Die Immobilie quasi auf Rentenbasis, nur als umgekehrtes Modell.

 

Junge Generation erbt Billionenvermögen

Mit seiner Idee hat Avery für viel Wirbel in der Immobilienbranche gesorgt, stellt er damit doch die bisherige Kundenansprache auf den Kopf, die in erster Linie darauf abzielt, die Immobilie als "Wert fürs Leben" zu verkaufen. Die jüngere Generation aber, die kaum abschätzen könne, wie ihre berufliche Zukunft aussieht, werde man mit diesem Argument nicht überzeugen können, so der Autor. Also müssten alternative Vermarktungsstrategien für den Erwerb von Wohneigentum her, die auf die Lebenssituation der Jungen zugeschnitten sei. So oder so wird sich die nachfolgende Generation hierzulande mit dem Thema Immobilie befassen müssen. Denn bis 2020 wird sie laut Deutschem Institut für Altersvorsorge (DIA) ein Immobilienvermögen von knapp 1,3 Billionen Euro erben. Und dann? Was macht man mit dem ererbten Schatz? Verkaufen, vermieten oder selbst nutzen? Auf Immobilienprofis kommt also einiges an Arbeit zu.

 

Kundenansprache für junge Käufergeneration

Immobilienmakler, die sich vorbereiten wollen, sollten bedenken, dass sie es mit einer digital geprägten Generation zu tun haben, die man am besten über eine moderne Webseite erreicht.

Zudem müssen Geschichten von der Immobilie im mobilen Zeitalter erzählt werden. Wie etwa die, dass es durch die Digitalisierung möglich ist, von überall aus zu arbeiten und deshalb zu wohnen, wo man möchte. Muss es da die teure Großstadtimmobilie sein? Geht nicht auch ein Objekt in einer Kleinstadt, wenn sie gut erreichbar ist? Wie etwa im beschaulichen Montabaur, das seit der ICE-Anbindung stetig Neubürger hinzugewinnt.

Von Vorteil wäre außerdem, sein Knowhow im Bereich Immobilienfinanzierung herauszustellen. Denn warum einem Finanzinstitut die Beratung überlassen, wenn man die Kompetenz selbst hat? Denkt man die niedrige Wohneigentumsquote also einmal anders, ist sie eine riesige Chance für Immobilienmakler - gleich ob gekauft oder vermietet wird.

 

Der Artikel ist zuerst im AIZ-Immobilienmagazin, Ausgabe 06/2017, Seite 28-29 erschienen.

Foto von Heiko Senebald

Heiko Senebald

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13.07.2016 | Immobilienverband IVD | Publikationen

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23.06.2016 | Immobilienverband IVD | Allgemein

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