Immobilienverband IVD

Der Sachkundenachweis kommt: Politische Regulierung kann sich lohnen

Von Jürgen Michael Schick, IVD-Präsident

 

Lange genug hat es gedauert, ein ganzes Jahrhundert fast. Seit mehr als 90 Jahren schon fordern wir im IVD und unsere stolzen Vorgängerverbände eine ordentliche Berufszulassung für Makler. Jetzt steht sie tatsächlich kurz bevor: Das Bundeskabinett hat einen entsprechenden Gesetzentwurf verabschiedet, im kommenden Jahr wohl wird das Gesetz zum Sachkundenachweis für Makler und Verwalter in Kraft treten. Das ist ein Meilenstein für die Immobilienbranche.

 

Wer nach den vielen Reformbemühungen in jüngster Zeit – Stichwort Bestellerprinzip – jetzt aufstöhnt und über noch mehr Regulierung klagt, dem sei gesagt: In diesem Fall lohnt sie sich. Sie geht nicht zu Lasten der Makler, sondern zu ihren Gunsten. Zumindest für diejenigen, die seriös arbeiten und ihren Kunden professionelle Beratung und Vermittlung bieten. Vorbei ist nun nämlich die Zeit der fachfremden Sonntagsmakler, vorbei ist die Zeit der praktisch völlig fehlenden Zulassungsvoraussetzungen. Ein freies Vorstrafenregister und geordnete Vermögensverhältnisse reichen bislang aus, um als Makler arbeiten zu dürfen. Schwarze Schafe, angelockt von den hohen Summen im Immobiliengeschäft, müssen somit praktisch keinerlei Hürden überspringen, um auf dem Markt teilhaben zu können. Der Sachkundenachweis vor Erteilung der Gewerbeerlaubnis schützt die Verbraucher vor unseriösen Angeboten und die Branche selbst vor Image- und Vertrauensverlust. Er bringt mehr Qualität und Professionalität in den Berufsstand und verhilft ihm so zu höherem Ansehen.

 

Was lange währt, wird nun also endlich gut? Es wird zumindest besser. Obwohl der Gesetzentwurf richtig, wichtig und längst überfällig ist, muss sich die Große Koalition Versäumnisse vorwerfen lassen. Die Sachkundeprüfung dürfte deutlich strenger ausfallen. Geplant ist, dass sie auf Grundlage eines 120-Stunden-Lehrgangs von den Industrie- und Handelskammern abgenommen wird. Sachgerecht wäre es aber, das Niveau einer immobilienwirtschaftlichen Ausbildung vorauszusetzen, so wie wir es im IVD tun. Makler sind heutzutage nicht mehr bloß Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer, sondern wirken als Berater und haben hohe kaufmännische und technische Ansprüche zu erfüllen. Mit einer Sachkundeprüfung auf dem Niveau des Immobilienkaufmanns wäre dies gegeben und würde eine höhere Qualität in der Branche garantieren – und dadurch zusätzliches Vertrauen bei den Kunden schaffen.

 

Nicht nachzuvollziehen ist außerdem, dass der Nachweis einer Berufshaftpflichtversicherung als Zulassungsvoraussetzung für Makler gestrichen wurde, der im letzten Gesetzentwurf vom Juli 2015 noch enthalten war. Vorgesehen ist eine obligatorische Versicherung nun nur noch für WEG-Verwalter. Fehler können trotz aller Sachkundenachweise aber auch Maklern passieren. Es darf nicht sein, dass in so einem Fall am Ende der Kunde den Schaden trägt. Auch hier würde ein besserer Verbraucherschutz zu mehr Vertrauen in die Branche führen.

 

Völlig realitätsfern ist die Trennung des Gesetzgebers zwischen WEG-Verwaltern und Mietverwaltern. Während Erstere sowohl ihre Sachkunde als auch eine Berufshaftpflichtversicherung nachweisen müssen, sind Mietverwalter im Gesetzentwurf gar nicht vorgesehen. Dabei müssen diese in der Praxis denselben hohen Ansprüchen im kaufmännischen und technischen Bereich genügen. Mietverwaltungen hätten deshalb zwingend in das Gesetz mit aufgenommen werden müssen. An diesen Punkten werden wir im jetzt anstehenden parlamentarischen Verfahren ansetzen.

 

Dass ein Gesetz zum Sachkundenachweis notwendig ist, bedeutet übrigens nicht, dass die Immobilienbranche nur wahlweise aus unkundigen Amateuren oder geldgierigen Betrügern besteht. Auf der Suche nach Feindbildern vermittelt die Politik mit ihren Reformvorstößen im Immobilienbereich diesen Eindruck ja gelegentlich. Tatsächlich ist mehr als die Hälfte der Immobiliendienstleister in Deutschland in Verbänden wie dem IVD organisiert und hat bereits verschiedene verbandsinterne Sachkunde- und Versicherungsnachweise erbracht. Die große Mehrheit in der Branche erfüllt einen hohen Anspruch an Qualität und Professionalität. Dennoch ist es sinnvoll, einen allgemeinen Standard zu setzen und gesetzlich zu verankern, um diejenigen auszusieben, die diesem Anspruch nicht genügen. Auch wenn unser IVD-Standard deutlich über dem künftigen gesetzlichen Sachkundeniveau liegt.

 

Man sieht: Regulierung kann auch an der richtigen Stelle wirken. Und es ginge sogar noch besser, wenn die Politik vorurteilsfrei auf die tatsächliche Praxis einginge. Hoffentlich müssen wir darauf nicht noch einmal 90 Jahre warten.

 

Der Text erschien im AIZ-Immobilienmagazin, Ausgabe 10, Seiten 10-11

Jürgen Michael Schick - Portrait

Jürgen Michael Schick

Präsident des IVD

Telefon: 0 30 / 27 57 26 - 0
E-Mail: info@ivd.net

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