Immobilienverband IVD

Warum die Deutschen keine vermieteten Immobilien kaufen

Von Thomas Meyer, Vorstand, WERTGRUND Immobilien AG

 

© stockfotoart - shutterstock.com

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Der Traum einer eigenen Wohnung ist heute verbreiteter denn je. Doch viele Interessenten denken dabei eher an die Eigennutzung als an eine Kapitalanlage: Lediglich 12 Prozent sind im Besitz einer vermieteten Immobilie und nur 5 Prozent der übrigen Bürger haben bereits den Erwerb in Betracht gezogen. Dabei verfügt fast jeder vierte Deutsche über die dafür nötigen Mittel.

 

Aber warum ist das so? Um dieses Rätsel zu klären, hat das Institut für Demoskopie Allensbach im Auftrag der Wertgrund Immobilien AG eine Studie durchgeführt. Die Zahlen zeigen, dass die Angst vor Mietnomaden und Zahlungsrückständen weitaus mehr Menschen abschreckt als die gegenwärtigen Marktkonditionen.

 

Für die von Wertgrund beauftragte repräsentative Studie wurden 1437 Personen mit einem frei verfügbaren Einkommen von mindestens 500 Euro monatlich nach den Gründen gefragt, die sie am Kauf hindern, obwohl sie finanziell in der Lage wären, sich vermietetes Wohneigentum zu leisten. Dabei konnten sie aus 14 verschiedenen Antwortmöglichkeiten wählen. Das Ergebnis: Die Mehrheit befürchtet vor allem Komplikationen bei der Bewirtschaftung und die damit verbundenen finanziellen Einbußen. So führten 49 Prozent der Befragten an, sie würden sich um Beschädigungen durch den Mieter sorgen, oder sie sähen Probleme, einen säumigen Mieter wieder zu kündigen.

 

41 Prozent der Befragten gaben an, dass sie fürchteten, sich den Immobilienkauf nicht leisten zu können. Zu den meistgenannten Gründen gehörten zudem Befürchtungen über außerplanmäßige Kosten (40 %) sowie ein zu hoher Verwaltungsaufwand (36 %). Andere Befragte gaben wiederum an, sich mit der Materie bisher nicht beschäftigt zu haben (32 %) und keine ausreichenden Kenntnisse über das Thema zu besitzen (27 %). Deshalb fühlten sie sich nicht zum Immobilienkauf bereit.

 

Weniger als ein Drittel der Umfrageteilnehmer nannte die angespannte Marktlage im Wohnimmobilienbereich als Grund. Ähnlich selten beriefen sich die Befragten auf andere Geldanlagen und kommentierten die Risiken und Renditechancen eines Immobilieninvestments negativ. Die Zahlen belegen, dass sich die Gründe privater Anleger gegen einen Immobilienkauf diametral von denen institutioneller Investoren unterscheiden. Nicht der potenzielle Leerstand wird befürchtet, sondern Probleme mit den Mietern. Auch die Aussagen zu der in Fachkreisen viel diskutierten Mietpreisbremse unterstreichen diesen Sachverhalt: Lediglich neun Prozent der Befragten gaben das Gesetz als Grund für ihr Zögern an. Damit liegt die Mietpreisbremse unter allen Antworten auf dem letzten Platz.

 

Was lässt sich aus diesen Ergebnissen ableiten? In erster Linie sollte diese Umfrage ein Ansporn für die Akteure der Immobilienwirtschaft sein, zeigt sie doch, dass nicht wirtschaftliche Gründe die große Mehrzahl der Menschen vom Wohneigentumskauf abhalten. Vielmehr dominieren subjektiv empfundene Befürchtungen – nicht die geringen Renditeaussichten sind schuld, sondern das Schreckbild des bösen Mieters. Dies zeigt besonders ein interessantes Detail: Die meisten Umfrageteilnehmer haben gleich mehrere oder sogar alle Fragen, die sich um fi nanzielle und organisatorische Komplikationen drehen, mit ja beantwortet. Wenn zudem fast die Hälfte aller potenziellen Käufer überzeugt ist, sie wären zu einem Immobilienkauf fi nanziell nicht in der Lage, kann das nur bedeuten, dass unbedingt eine stärkere Aufklärungsarbeit geleistet werden muss. Denn die Studie zeigt ebenfalls, dass sich mit wachsender Sachkenntnis auch die Gewichtung der Gründe verlagert. Unter denjenigen Teilnehmern, für die der Erwerb einer vermieteten Immobilie grundsätzlich in Frage käme, spielt die Angst vor Mietrückstand und hohem Verwaltungsaufwand eine deutlich geringere Rolle.

 

Natürlich sollte auch die Politik ihre Bemühungen weiter verstärken, attraktivere Rahmenbedingungen für den Wohnerwerb zu schaffen. Wenn jedoch die Zielgruppe wenig über ihre Möglichkeiten weiß – und sich gar nicht erst informiert, dann kann weder die Politik noch ein günstiges Marktumfeld Früchte tragen. Die Immobilienwelt lässt hier einiges an Potenzial liegen und sollte sich auf jeden Fall um eine bessere Kundenkommunikation kümmern.

 

Der Artikel erschien im AIZ-Immobilienmagazin, Ausgabe 12/2016, Seite 28f.

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