Immobilienverband

Digitalisierung – Kennen Sie C3PO?

Von Lars Grosenick

C3POEin Besichtigungsroboter begrüßt die Interessenten. Ob er aussieht wie C3PO, der goldene Roboter aus alten Star Wars-Zeiten, oder mehr Ähnlichkeit mit einem von uns hat, sei dahingestellt. Was er kann, ist Türen aufschließen und Wohnungen zeigen. Im Mittelpunkt dieser Überlegung steht die Frage: Ist das das Ziel der Digitalisierung? In den nächsten zwei Jahren wohl nicht. Bedeutet Digitalisierung gar, dass die Dienstleistung ausstirbt? Nein. Sie wird nur anders werden. Was anders wird, welche Probleme die Digitalisierung lösen kann und an welcher Stelle es sich lohnt, näher hinzuschauen, beleuchtet der erste Teil einer neuen Serie dieser Kolumne zur Digitalisierung 2016.

Digitalisierung ist ein Modewort, das gerade in sämtlichen Branchen hinauf und hinunter dekliniert wird. Was aber bedeutet Digitalisierung für die Immobilienbranche? Und wie können wir die Digitalisierung nutzen, um uns und unser Unternehmen zukunftsfähig zu machen?

Weit vor der Digitalisierung kam die Technisierung. Technische Hilfsmittel haben in Arbeitsprozessen viele menschliche Tätigkeiten ersetzt und auch ganz praktisch Gegenstände abgelöst. Das Hängeregister ist passé, die Kundenakte steckt in der Software, die Objektakte übrigens häufig noch nicht. Die Papier-Mappe, im braunen Umschlag verschickt, ist jetzt ein schickes Online-Exposé, das 24/7 heruntergeladen werden kann – gegen das Hinterlegen der entsprechenden Daten, versteht sich.

Moment. An dieser Stelle sind wir bereits bei der Digitalisierung angekommen. Denn Digitalisierung bedeutet nicht nur eine Überführung von Informationen von einer analogen in eine digitale Welt, sondern sie beinhaltet auch alle Veränderungen, die digitale Technologien mit sich bringen. Wie bitte? Viel spannender ist doch die Frage: Wem hilft die Digitalisierung? Welchen konkreten Nutzen kann die Immobilienwirtschaft hieraus ziehen?

Fest steht: Digitalisierung macht die Dinge erreichbarer und einfacher. Das hat große Vorteile. Denken wir an den Kundennutzen eines digital übermittelten Exposés. Die Geschwindigkeit ist fast schon Echtzeit, die Verfügbarkeit natürlich unendlich – zumindest die des Exposés, das Objekt kann ja nur ein Mal verkauft werden. Darüber hinaus gibt es heute keine Begrenzung von vier Seiten für den Standardbrief, um Porto zu sparen. 20 Fotos wurden früher auf zwei Seiten gequetscht – das sind Überlegungen, die heute niemand mehr kennt.

Macht Digitalisierung mein Unternehmen produktiver?

Als die Dampfmaschine in die Weberei kam, hat sie die Wasserkraft abgelöst und damit die Produktivität deutlich erhöht. Inwiefern die Digitalisierung zur Produktivitätserhöhung beiträgt, darüber sind sich die Wirtschaftsökonomen noch nicht einig. Im eigenen Betrieb lässt sich so etwas leicht ausrechnen. Suchen wir mal andersherum, nämlich nach Produktivitätsproblemen. Seit wann machen Sie Ihre Buchhaltung mit einer speziellen Software? Das ist heute Usus. Aber dass der Beleg schon vorkontiert aus dem Scanner herauskommt, ist in der typischen Hausverwaltung noch nicht an der Tagesordnung.

Problem I: Die Kommunikation

Ein typisches Problem in der Immobilienwelt ist die gesamte Kommunikation mit dem Mieter. Dieser kann weder unterjährig Einblick in seinen Verbrauch erhalten, noch rund um die Uhr mit seinem Verwalter Kontakt aufnehmen oder online auf die Betriebskostenrechnung zugreifen. Ein besonders großes Thema ist auch das Mängelmanagement. Dass ein Mieter üblicherweise zum Abstellen eines Mangels gefühlte achtmal zu Hause bleiben muss, wissen wir alle. Da freut er sich, dass endlich der Handwerker kommt – und der macht bloß das Angebot. Ob es nun möglich ist, per E-Mail einen Rohrbruch zu fixen, sei dahingestellt. Aber der gesamte Prozess, angefangen vom Melden des Mangels über die Terminkoordination bis hin zum Bereitstellen von Unterlagen kann über digitale Wege deutlich verschlankt werden.

Problem II: Die Terminkoordination

Überhaupt ist das Thema Terminkoordination das am wenigsten gelöste Problem der Immobilienwelt. Wenn eine Immobilie verkauft werden soll, hat der Käufer vielleicht das Bedürfnis, die Immobilie auch von innen zwei- bis dreimal anzusehen. Das ist sehr anstrengend. In diesem Prozess hilft die Digitalisierung immens: mit dem Besichtigungsroboter vielleicht irgendwann einmal, mit einfachen Absenden und Annehmen von Termineinladungen an Käufer und Verkäufer, mit dem Zurverfügungstellen relevanter Unterlagen, mit reibungslosen und sorgfältig dokumentierten Übergaben ebenfalls. Auch Dienstleister, die tolle und aussagekräftige 3D-Filme der Immobilie erstellen, die die Besichtigungen vielleicht irgendwann ganz überfl üssig machen, sind hilfreich.

Problem III: Der Einkauf Auch hilft die Digitalisierung bei administrativen

Problemen: bei Besichtigungen, aber auch bei Marketingproblemen. Ich denke da an den Einkauf. Der Markt findet im Netz statt. Genau hier muss ich meine Eigentümer finden. Gehen wir davon aus, dass große Spezialisten hiermit besser umgehen können als wir selber, ist es kein Wunder, dass Lead-Anbieter gerade heiß diskutiert werden. Was in der Versicherungsbranche schon lange Usus ist, beginnt gerade auch bei uns Fuß zu fassen. Lead-Anbieter verkaufen qualifizierte Eigentümerdaten an bis zu drei Makler aus einer Region je Lead (man kann in der Regel auch einen Gebietsschutz kaufen). Dafür werden je Lead zehn bis 30 Prozent der Provision fällig. Eine Auftragsquote von 25 Prozent, Tendenz steigend, geben die Nutzer dieser Dienstleistung an. Es scheint aktuell, dass insbesondere in hart umkämpften Märkten die Makler auf diese Möglichkeit zurückgreifen. Und die Eigentümer müssen sich nur noch in einem Portal anmelden und fi nden dann einen professionellen Vermarkter – ohne lange Recherche.

Problem IV: Die Preisfindung

Auch bei der Preisfi ndung hat die Digitalisierung bereits Lösungen parat. Wohnmarktanalysen zum Beispiel. Die datengestützte Vergleichsstudien des Umfeldes helfen dabei, den richtigen Preis zu fi nden und – ganz wichtig – diesen auch zu begründen. Diese Markttransparenz hilft dem Eigentümer, mit dem richtigen Preis ins Feld zu gehen und seine Immobilie zügig und ohne Einbußen zu verkaufen.

Egal, ob Eisenbahn oder Dampfmaschine, Veränderungen machen produktiver. Der Preis ist der Wandel. Große Veränderungen tun immer auch ein bisschen weh, wir alle kennen Leute, die sich verändern müssen. Am Ende ist aber immer eine bessere Welt daraus geworden. So wird auch die Digitalisierung eine bessere Immobilienwelt machen.

Am Rande bemerkt: Die Welten um uns herum sind schon digital. Ob Einzelhandel, die Möbelindustrie oder die Automobilindustrie: Alle sind uns bereits um Längen voraus. Denken Sie an die Küchenplanung oder das Selberkassieren bei Ikea. Selbst das Gesundheitswesen ist bereits digital. Da gibt es Hausnotruf-Anwendungen für Smartphones oder Online-Ratgeber für Diabetiker mit integrierten Tagebüchern. Auf dem Land profitieren Menschen von Fachkräften, die 100 km entfernt an der Uniklinik arbeiten von deren Ferndiagnostik – es ist technisch längst machbar – via Skype einen Patienten zu untersuchen. Insbesondere bei Erkrankungen wie Schlaganfällen, die prompte Reaktionen erfordern, rettet das Leben.

Leben retten wLars_Grosenick_IVDerden wir trotz der Digitalisierung in der Immobilienbranche wohl so schnell nicht. Aber Eigentümer, Mieter und Interessenten glücklich machen, können wir schon. Und das wird uns im Zuge der Digitalisierung noch leichter fallen. Welche Probleme die Digitalisierung im Einzelnen löst, wie das unsere Kunden glücklich macht und welche Trends gerade im Kommen sind, lesen Sie in den kommenden Kolumnen.

 

Der gesamte Artikel erschien im AIZ Immobilienmagazin, AIZ 1-2|2016, Seite 36/37.

 

2 thoughts on “Digitalisierung – Kennen Sie C3PO?

  1. Es geht in Wirklichkeit darum; wieder Argumente für neue Preiserhöhungen zu finden.
    Ich frage mich, was hat sich den so verändert, das die Preise bei den Portalen so gestiegen sind?
    30 Prozent der Prof. für die Vermittlung eines Kunden aus dem Internet und die normale Gebühr von monatlich € 1100,00 dazu. Da bin ich nicht mehr dabei, versprochen.

  2. Markus sagt:

    Netter Werbeartikel. Ich bin vor gut 4 Monaten auf die Maklersoftware ilogu [Link entfernt] umgestiegen. Flowfact war mir einfach deutlich zu teuer (andauernde Preiserhöhungen) und von der Optik nur wenig ansprechend. Auch die App hatte permanent Abstürze. Jetzt zahle ich keine 20 Euro im Monat für ein aus meiner Sicht besseres schlankeres System welches meine Arbeitsabläufe noch ein ganzes Stück vereinfacht hat.

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