Immobilienverband IVD

3D Kino Immobilie

Pärchen mit VR-Brille

Foto: ArtFamily - shutterstock.com

 

Von Lars Grosenick

 

Das Gebiet der Immobilienpräsentation partizipiert sehr stark an den Folgen der Digitalisierung. Technologie-gemachte Besichtigungen werden mehr und mehr als Filter bei der Interessentensuche eingesetzt. Was ändert sich dadurch für den Makler? Ersetzen virtuelle Rundgänge gar klassische Besichtigungen und organisieren sie die Berufsgruppe ins Aus?

 

Mitnichten. Vorgelagert ist die Akquise, daran wird sich nichts ändern. Die Besichtigung der Immobilie, das Gespräch mit dem Kunden – beides bleibt. Bilder in Portalen bleiben. Aber dann wird es spannend. Erste, innovative Makler laden ihre Interessenten zu Besichtigungstouren mit Virtual-Reality (VR)-Brillen ein. So eine Brille sieht aus wie ein Zwischending aus Skibrille und Smartphone, blendet die tatsächliche Realität aus und nimmt den Brillenträger mit in das Objekt. Mittels Kopfbewegungen kann der Besichtiger dann ins Badezimmer gehen, die Küche inspizieren und das Schlafzimmer erleben – dreidimensional, versteht sich.

 

Immobilienvideo-Dienstleister sind ebenfalls gerade dabei, das Makeln effizienter zu machen. Sogenannte 360-Grad-Rundgänge, basierend auf 360-Grad-Fotos, erlauben eine abgespeckte VR-Erfahrung. Der Betrachter kann hierin durch das Objekt laufen und ebenfalls virtuell die Immobilie ansehen. Dienstleister wie Ogulo, Immobilienteam, Visual-Immo oder begehungen.de decken die gesamte Bandbreite der virtuellen Besichtigung ab.

 

Diese virtuellen Besichtigungen sind sehr effiziente Instrumente bei der Objektvermarktung und bieten ganz viel Nutzen. Sie halten nämlich maklerseitig die Besichtigungskosten im Griff und sind für Interessenten wie auch Kunden hoch effizient, denn die einen schauen keine Häuser an, die sie hinterher nicht kaufen wollen und die anderen müssen ihre Zeit nicht mit Menschen verbringen, die ihr Haus nicht kaufen wollen. Keine schmutzigen Füße en masse für den Eigentümer, keine Rumfahrerei für den Makler also. Im Privatkunden-Bereich ist es demnach die Vor-Qualifizierung der Interessenten, die einen technologisch getriebenen effizienten Filter setzt. Hiernach setzt der herkömmliche Prozess ein: Besichtigung, Verhandlung, Vertrag. In der institutionellen Welt würde man, gebrieft durch die virtuelle Besichtigung, schon vorher ja sagen, wenn der ROI (Return on Investment: ist es eine sichere Anlage mit passender Rendite?) stimmt. Und die Entscheidung dann im Rahmen der Due Dilligence (das ist die „gebotene Sorgfalt“, mit der Immobilien im Vorfeld des Kaufs geprüft werden müssen), via kurzer Besichtigung bestätigen, um den verbindlichen Vertrag abzuschließen.

 

Worüber im Rahmen der Technologie-basierten Darstellung diskutiert werden sollte, ist darüber hinaus die Frage, wie genau man so eine Darstellung umsetzt. Nicht im technologischen Sinne, das kann man über die erwähnten Dienstleister bis hin zum vollen Service professionell umsetzen. Aber virtuell hin oder her, eine Besichtigung ist eine Besichtigung.

 

Da wäre der Punkt Zugangsberechtigungen. Sollte die virtuelle Besichtigung öffentlich sein? Vermutlich wird das der Eigentümer nicht zulassen. Sollte ein Prozess eingesetzt werden, um mehr Daten zu erhalten? Das könnte so aussehen, dass mich die Besichtigung virtuell über die Treppen zur Haustür in den Eingangsbereich und den Flur führt – und um das Schlafzimmer zu sehen, muss ich eine Selbstauskunft liefern?

 

Und vor allem: Bin ich als Dienstleister bei der Besichtigung dabei, oder lasse ich den Interessenten alleine? In meinen Augen ist es ein großer Unterschied, ob sich jemand alleine eine Küche anschaut oder ob ich daneben stehe und sage: Hier können Sie mit Ihren Freunden kochen.

Um auf die eingangs aufgeworfene Fragestellung zurückzukommen: Virtuelle Besichtigungen werden den Makler nicht überflüssig machen. Ebenso wenig wie andere Erzeugnisse der Digitalisierung. Ob ich gemeinsam im Rahmen einer Telefonkonferenz besichtige oder den Interessenten in mein Büro zum Immobilienkino einlade, ist zweitrangig. Wichtig ist, dass ich dabei bin, um das Dübelloch in der Wand oder den Setzriss zu erklären. Damit wird der Makler nicht abgeschafft, sondern wird mehr wertstiftende Aufgaben übernehmen. Beratung und Einprüfung bleiben und vor allem die Tatsache, dass der Makler dem Interessenten eine Idee über die Zukunft gibt und das Vertrauen darin, das der Setzriss gar nicht so schlimm ist.

 

Und das Beste an virtuellen Touren: Wir haben ganz andere Feedback- Möglichkeiten. Wer war wie lange in welchem Raum? Was ist für den Interessenten wichtig? Wer dann noch dabei ist, bekommt die Begeisterung des Interessenten genauso mit wie die Befürchtung: „Bekomme ich das Klavier wirklich in die Ecke?“ – und kann die direkt heilen.

 

Der Artikel erschien im AIZ-Immobilienmagazin, Ausgabe 12/2016, S. 40f.

Chefredakteur

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