Immobilienverband

Sofortabzug für mutwillig herbeigeführte Substanzschäden

Aufwendungen zur Beseitigung eines Substanzschadens, der nach Anschaffung einer vermieteten Immobilie durch das schuldhafte Handeln des Mieters verursacht worden ist, können als Werbungskosten sofort abziehbar sein. In diesen Fällen handelt es sich nicht um sog. anschaffungsnahe Herstellungskosten (§ 6 Abs. 1 Nr. 1a Satz 1 EStG).

BFH, Urteil vom 09.05.2017 - IX R 6/16; veröffentlicht am 04.10.2017

Die Klägerin hatte im Jahr 2007 eine vermietete Eigentumswohnung erworben, die sich im Zeitpunkt des Übergangs von Nutzen und Lasten in einem mangelfreien Zustand befand. Im Folgejahr kam es im Rahmen des – auf  die Klägerin übergegangenen - Mietverhältnisses zu Leistungsstörungen, da die Mieterin fällige Nebenkosten nicht zahlte. Daher kündigte die Klägerin das Mietverhältnis. Bei Rückgabe der Mietsache stellte die Klägerin umfangreiche, von der Mieterin jüngst verursachte Schäden wie eingeschlagene Scheiben an Türen, Schimmelbefall an Wänden und zerstörte Bodenfliesen an der Eigentumswohnung fest. Darüber hinaus hatte die Mieterin einen Rohrbruch im Badezimmer nicht gemeldet; dadurch war es zu Folgeschäden gekommen. Die Kosten zur Beseitigung dieser Schäden in Höhe von rund 20.000  € machte die Klägerin in ihrer Einkommensteuererklärung für 2008 als sofort abzugsfähigen Erhaltungsaufwand geltend.

Das FA versagte den Sofortabzug der Kosten, da es sich um sog. „anschaffungsnahe Herstellungskosten“ (§ 9 Abs. 5 Satz 2 EStG i.V.m. § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG) handele;

Die Entscheidung des BFH:

  • Unter § 6 Abs. 1 Nr. 1a EStG fällt auch die Beseitigung verdeckter - im Zeitpunkt der Anschaffung des Gebäudes jedoch bereits vorhandener – Mängel.
  • Demgegenüber sind Kosten für Instandsetzungsmaßnahmen zur Beseitigung eines Schadens, der im Zeitpunkt der Anschaffung nicht vorhanden und auch nicht „angelegt“ war, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt durch das schuldhafte Handeln des Mieters am Gebäude verursacht worden ist, nicht den anschaffungsnahen Herstellungskosten zuzuordnen. Solche Aufwendungen können als sog. „Erhaltungsaufwand“ und damit als Werbungskosten sofort abgezogen werden.

 

Quelle: BFH, Pressemitteilung Nr. 61/2017 vom 04.10.2017

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Hans-Joachim Beck

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