Immobilienverband

Baukindergeld 2019

Ein Jahr Baukindergeld – Wohneigentumsförderung muss ausgebaut werden

„Das Baukindergeld ist ein durchschlagender Erfolg. Die Menschen wollen Wohneigentum und nehmen verfügbare Fördermöglichkeiten gerne in Anspruch. Das sollte der Bundesregierung ein deutlicher Hinweis darauf sein, die Förderung der Wohneigentumsbildung auszubauen.“ Das sagt Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes IVD, heute anlässlich des Jahrestages, an dem das Baukindergeld startete. Seit genau einem Jahr, seit dem 18. September 2018, läuft die Frist für Anträge auf das Baukindergeld.  

Laut Bundesinnenministerium haben seitdem 135.000 Familien Förderanträge gestellt. 70 Prozent der Antragsteller sind zwischen 25 und 40 Jahren alt. 60 Prozent verfügen über ein zu versteuerndes Haushaltseinkommen von weniger als 40.000 Euro im Jahr. 60 Prozent der Anträge kommen aus städtischen Regionen. Die Förderanträge beziehen sich zu 24 Prozent auf Neubau, zu 76 Prozent auf Bestandskäufe, wobei der Neubau aufholt. Die Förderung gilt für Immobilien, die seit dem 1. Januar 2018 gekauft worden sind. Bei Neubauten gilt stattdessen der Tag der Baugenehmigung. 

„Die Zahlen zum Baukindergeld belegen, dass so mancher Kritiker daneben liegt. Die Förderung erreicht genau die intendierte Zielgruppe: wenig kapitalstarke und mehr junge Familien. Sowohl der Neubau als auch Bestandsimmobilien werden durch das Baukindergeld aktiviert“, so Schick. 

Der IVD-Präsident fordert die Bundesregierung auf, die positiven Erfahrungen mit dem Baukindergeld zur Grundlage für die weitere Wohneigentumspolitik zu nehmen. „Die Menschen wollen Wohneigentum. Bund und Länder sollten sie unterstützen, diesen Wunsch zu verwirklichen. Denn selbstgenutztes Wohneigentum ist der beste Schutz vor Altersarmut.“

Schick plädiert dafür, das Baukindergeld über das Jahr 2021 hinaus zu entfristen und im Bundeshaushalt ständige Mittel dafür bereitzustellen. „Wenn man Eigentum mit der erforderlichen Kontinuität fördern will, darf man nicht in Legislaturperioden denken“, sagt Schick.

Darüber hinaus brauche es aber flankierende Maßnahmen. „Gerade Haushalte mit kleinem und mittlerem Einkommen scheitern häufig an dem für den Erwerb benötigten Eigenkapital. Hier sollte der Staat Hilfestellung leisten“, so Schick. So sollte die Bundesregierung das im Koalitionsvertrag angekündigte Bürgschaftsprogramm der KfW endlich umsetzen. Damit könnte ein Anteil des Kaufpreises bzw. der Baukosten von selbstgenutztem Wohneigentum abgesichert werden. Dadurch würde das für den Erwerb benötigte Eigenkapital gesenkt werden.

Ein weiterer Förderansatz bestehe bei der Grunderwerbsteuer. Die Steuer muss aus dem Eigenkapital des Erwerbs beglichen werden. Ein Freibetrag für den Ersterwerb selbstgenutzten Wohneigentums würde helfen, dieses Kapital zu schonen. Schick fordert die Bundesregierung auf, in diesem Punkt mit den Landesregierungen zu kooperieren und rasch einen entsprechenden Gesetzesentwurf auf den Weg zu bringen.

Das Baukindergeld erreicht wenig kapitalstarke und mehr junge Familien

Wirkungsgrad des Baukindergelds auf verschiedene Mikrolagen in ausgewählten deutschen Großstädten

Foto von Hans-Joachim Beck

Hans-Joachim Beck

Leiter Abteilung Steuern

Telefon: 0 30 / 27 57 26 - 0
E-Mail: beck@ivd.net

Achtung, am 31.12.2018 läuft die Antragsfrist für 2018 für das neue Baukindergeld ab

Normalerweise muss der Antrag auf das Baukindergeld innerhalb von 3 Monaten nach dem Einzug gestellt werden. Da das Baukindergeld jedoch erst seit dem 18.September beantragt werden kann,  kann man den Antrag noch bis zum 31.12.2018 stellen, wenn der Einzug im Jahre 2018 noch vor dem „Produktstart“ am 18.9. stattgefunden hat. Es bleibt jedoch bei dem allgemeinen Grundsatz, dass das Kind, für das das Baukindergeld beantragt wird, beim Einzug das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben darf und spätestens innerhalb von 3 Monaten nach dem Einzug geboren worden sein muss.

Anspruchsberechtigt sind natürliche Personen, die Eigentümer oder Miteigentümer einer selbstgenutzten Wohnung sind und selbst kindergeldberechtigt sind oder in einem Haushalt mit einer Person leben, die kindergeldberechtigt ist.

Zeitliche Bedingung

Der Kaufvertrag muss zwischen dem 1.1.2018 und dem 31.12.2020 abgeschlossen worden sein. Hat der Antragsteller die Wohnung hergestellt, muss die Baugenehmigung innerhalb dieser Zeit erteilt worden sein. Bei Bauvorhaben, die nur anzeigepflichtig sind. muss mit der Ausführung des Bauvorhabens in dieser Zeit begonnen worden sein.

Haushaltseinkommen

Das zu versteuernde Haushaltseinkommen darf bei einem Kind 90.000 EURO nicht übersteigen zuzüglich 15.000 EURO für jedes weitere Kind, das die oben genannten Bedingungen erfüllt. Maßgeblich ist das durchschnittliche Haushaltseinkommen des zweiten und dritten Jahres vor der Antragstellung. Wird beispielsweise der Antrag im Jahre 2018 gestellt, kommt es auf das durchschnittliche Einkommen der Jahre 2015 und 2016 an. Das Baukindergeld wird für die Folgejahre auch dann gewährt, wenn das Haushaltseinkommen danach steigen und die maßgebliche Grenze  übersteigen sollte. Maßgeblich ist das zu versteuernde Einkommen der Ehegatten, Lebenspartner oder Partner einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft.  Maßgeblich ist das Einkommen wie es sich aus den Einkommensteuerbescheiden ergibt. Eine Korrekturrechnung nach § 2 Abs. 5 a EStG wird nicht durchgeführt. Kapitaleinkünfte, die der Abgeltungsteuer unterliegen, werden daher nicht berücksichtigt.

Höhe der Förderung

Der Zuschuss beträgt 1.200 EURO für jedes Kind unter 18 Jahren und wird über einen Zeitraum von 10 Jahren in einem Jahresbetrag gezahlt. Voraussetzung ist, dass die Wohnung während dieser Zeit selbstgenutzt wird. Maßgeblich für die Höhe der Förderung ist die Anzahl der Kinder, die zum Zeitpunkt der Antragstellung  unter 18 Jahre alt sind, im Haushalt des Antragstellers leben und für die eine Kindergeldberechtigung vorliegt. Für Kinder, die nach Antragstellung geboren werden oder in den Haushalt aufgenommen werden, wird kein Baukindergeld gewährt.

Einzige selbstgenutzte Wohnung

Die Förderung ist ausgeschlossen, wenn der Antragsteller oder ein anderes Mitglied des Haushalts bei Erwerb oder Schaffung der neuen Wohnung bereits über eine selbstgenutzte Wohnung verfügt.

Antrag

Der Antrag muss online gestellt werden und der Adresse www.kfw.de/zuschussportal

Am 18. September 2018 ist das neue Baukindergeld freigeschaltet worden. Rückwirkend zum 1. Januar 2018 können bei der KFW online Anträge auf das Baukindergeld gestellt werden. Hierzu hat die KFW ein Merkblatt herausgegeben. Die Förderbedingungen sind hieran abschließend geregelt.

1. Anspruchsberechtigte Personen

Anspruchsberechtigt sind natürliche Personen, die

  • Eigentümer oder Miteigentümer einer selbstgenutzten Wohnung sind und
  • selbst kindergeldberechtigt sind oder in einem Haushalt mit einer Person leben, die kindergeldberechtigt ist. Das Kind muss bei Antragstellung geboren sein, darf aber zu diesem Zeitpunkt das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben.

Der Kreis der anspruchsberechtigten Personen ist somit sehr groß. Die Antragsteller müssen weder verheiratet sein, noch ist eine andere Art der Lebensgemeinschaft erforderlich, was zu befürworten ist.

2. Fristen und maßgebliche Zeitpunkte

Der Antrag auf das Baukindergeld muss innerhalb von 3 Monaten nach dem Einzug gestellt werden. Maßgeblich ist das in der amtlichen Meldebestätigung angegebene Einzugsdatum. Hat der Einzug im Jahre 2018 noch vor „Produktstart“ am 18. September 2018 stattgefunden, kann der Antrag bis zum 31. Dezember 2018 gestellt werden. Es bleibt jedoch bei dem allgemeinen Grundsatz, dass das Kind, für das das Baukindergeld beantragt wird, beim Einzug das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet haben darf und innerhalb von 3 Monaten nach dem Einzug geboren worden sein muss.

Beim Erwerb einer bereits selbst genutzten Wohnung, der Antragsteller beispielsweise bisher Mieter war, muss der Antrag innerhalb von drei Monaten nach Unterzeichnung des notariellen Kaufvertrages gestellt werden.

Ist der Kaufvertrag zwischen dem 1. Januar 2018 und dem 31. Dezember 2020 abgeschlossen oder die Baugenehmigung in diesem Zeitraum erteilt worden bzw. bei nur anzeigepflichtigen Vorhaben mit der Ausführung begonnen werden durfte, kann der Antrag auf Baukindergeld spätestens bis zum 31. Dezember 2023 gestellt werden. In jedem Fall muss der Antrag aber innerhalb von drei Monaten nach dem Einzug gestellt werden.

Die Voraussetzungen in zeitlicher Hinsicht sind recht weit gefasst, so dass der Anwendungsbereich und somit die Reichweite recht groß ist.

3. Haushaltseinkommen

Das zu versteuernde Haushaltseinkommen darf bei einem Kind 90.000 EURO nicht übersteigen zuzüglich 15.000 EURO für jedes weitere Kind, das die oben genannten Bedingungen erfüllt. Maßgeblich ist das durchschnittliche Haushaltseinkommen des zweiten und dritten Jahres vor der Antragstellung. Wird beispielsweise der Antrag im Jahre 2018 gestellt, kommt es auf das durchschnittliche Einkommen der Jahre 2015 und 2016 an. Für Anträge, die 2019 gestellt werden, sind die Jahre 2016 und 2017 heranzuziehen.

Das Baukindergeld wird für die Folgejahre auch dann gewährt, wenn das Haushaltseinkommen danach steigen und die maßgebliche Grenze  übersteigen sollte. Soweit es geringer sein sollte, ist dies unschädlich, da es nur eine Obergrenze gibt. Maßgeblich. Maßgeblich ist das zu versteuernde Einkommen der Ehegatten, Lebenspartner oder Partner einer eheähnlichen Lebensgemeinschaft wie es sich aus den Einkommensteuerbescheiden ergibt.

Die Regelung ist nachvollziehbar und angemessen.

4. Höhe der Förderung

Der Zuschuss beträgt 1.200 EURO für jedes Kind unter 18 Jahren und wird über einen Zeitraum von 10 Jahren in einem Jahresbetrag gezahlt. Voraussetzung ist, dass die Wohnung während dieser Zehnjahresfrist selbstgenutzt wird. Maßgeblich für die Höhe der Förderung ist die Anzahl der Kinder, die zum Zeitpunkt der Antragstellung  unter 18 Jahre alt sind, im Haushalt des Antragstellers leben und für die eine Kindergeldberechtigung vorliegt. Für Kinder, die nach Antragstellung geboren werden oder in den Haushalt aufgenommen werden, wird kein Baukindergeld gewährt.

5. Ersterwerb

Nach dem Koalitionsvertrag soll nur der Ersterwerb einer in Deutschland liegenden selbstgenutzten Wohnung gefördert werden (Zeile 5144). Auch das Merkblatt der KFW sieht nur die Förderung des Ersterwerbs vor.

„Sofern der Haushalt (Antragsteller sowie Ehe- oder Lebenspartner oder Partner aus eheähnlicher Gemeinschaft oder Kinder) Eigentum an einer selbstgenutzten oder vermieteten Wohnimmobilie in Deutschland zur Dauernutzung besitzt, ist eine Förderung mit dem Baukindergeld nicht möglich.“

Auf die Frage, ob der Antragsteller schon einmal Eigentümer war, kommt es nicht an. Maßgeblich ist nur, der Antragsteller zum Zeitpunkt des Kaufvertrages, der Baugenehmigung oder Bauanzeige nicht Eigentümer ist.  War er zuvor schon einmal Eigentümer, ist dies unschädlich. Förderfähig ist mithin auch der Zweit oder Dritterwerb. Offenbar hat sich die KFW gegen einen Ersterwerb im engeren Sinne entschieden, um das Antragsverfahren zu vereinfachen.

Zwar widerspricht dies grundsätzlich der Zielsetzung. Letztlich ist dies aber zu befürworten, da mit der Regelung das Ziel verfolgt wird, Eigentum zu schaffen. Die Frage, ob jemand schon einmal Eigentümer war, kann somit keine Rolle spielen.   

Ferienwohnungen sollen nicht schädlich sein, auch wenn sie sich zum Zeitpunkt der Antragstellung im Eigentum des Antragstellers befinden, weil die Anspruchsberechtigung nur ausgeschlossen ist, wenn einem der Haushaltsangehörigen bei Schaffung oder Erwerb der neuen Wohnung eine Wohnung zur Dauernutzung gehört.

6. Vorhandene Kinder

Für Kinder, die vor dem 1. Januar 2018 geboren sind, besteht ein Anspruch auf Baukindergeld nur, wenn danach der Kindergeldberechtigte oder sein Partner Eigentum oder Miteigentum an der selbstgenutzten Wohnung erwirbt.

7. Kumulation mit anderer Förderung

Das Baukindergeld kann zusätzlich zu anderen Fördermittel beansprucht werden, was als angemessen zu erachten ist. Die kumulierte Förderung darf aber nicht höher sein, als die Kosten für den Neubau oder den Erwerb des Wohneigentums.

Beispielsfälle

Beispiel 1

A hat im Jahre 2010 eine Eigentumswohnung zur Selbstnutzung gekauft und im Jahre 2016 wieder verkauft. Im Jahre 2018 kauft er ein Einfamilienhaus, das er mit seiner Lebenspartnerin und ihrem Kind bezieht.

Lösung

Der Kauf des Einfamilienhauses stellt für A keinen Ersterwerb dar. Er hat jedoch Anspruch auf Baukindergeld, weil zum Zeitpunkt der Antragstellung keiner der zum Haushalt gehörenden Personen Eigentümer einer selbstgenutzten Wohnung ist.

Beispiel 2

Herr A hat im Jahre 2015 ein Einfamilienhaus zur Selbstnutzung gekauft. Im Jahre 2017 haben er und seine Frau eine Tochter bekommen. Im Juli 2018 kauft seine Frau ihm die Hälfte seines Hauses ab. Über selbstgenutztes Wohneigentum verfügte sie bisher nicht.

Wenn Frau A innerhalb von drei Monaten nach Unterzeichnung des Kaufvertrages den Antrag stellt, hat sie einen Anspruch auf das Baukindergeld, da sie nach dem 1. Januar 2018 Eigentum an einer selbstgenutzten Wohnung erworben hat.

Wenn Herr und Frau A das Haus im Jahre 2015 gemeinsam gekauft haben und sie im Jahre 2018 einen weiteren Miteigentumsanteil hinzuerwirbt, besteht kein Anspruch auf Baukindergeld, weil dann die Voraussetzung des Ersterwerbs nicht erfüllt ist.

Beispiel 3

Frau A hat im Jahre 2015 eine selbstgenutzte Eigentumswohnung gekauft. In Jahre 2016 bekommt sie ein Kind. Im Jahre 2017 zieht Herr B bei ihr ein. Im Jahre 2018 verkauft Frau A an Herrn B 5 Prozent ihrer Eigentumswohnung für 12.050 EURO.

Lösung

Wenn Herr A den Antrag innerhalb von drei Monaten nach Unterzeichnung des Kaufvertrages stellt, hat er Anspruch auf das Baukindergeld. Die Anschaffungskosten müssen allerdings höher sein die Förderung. Diese Voraussetzung ist erfüllt, weil die Förderung für das Kind 12.000 EURO beträgt.

Problematisch sind die Fälle, in denen ein Kind erwartet wird, das aber erst nach Ablauf der Frist von drei Monaten seit dem Einzug in die Wohnung zur Welt kommen soll. Hier müsste einer der Eigentümer mit dem Einzug warten.

Beispiel 4

Herr  und Frau A haben im, Jahre 2018 gemeinsam ein Einfamilienhaus gekauft. Der Einzug soll im April 2019 stattfind. Im März 2019 erfährt Frau A, dass sie schwanger ist und das Kind voraussichtlich Mitte September zur Welt kommen wird.

Wenn die  Eheleute im April einziehen würden, müssten sie den Antrag auf Baukindergeld spätestens im Juli stellen. Da das Kind zu diesem Zeitpunkt noch nicht geboren ist, könnte es nicht berücksichtigt werden, so dass die Eheleute keinen Anspruch auf Baukindergeld hätten.

Die Eheleute beschließen daher, dass zunächst nur der Ehemann in das Haus einzieht und die Frau bis zur Geburt des Kindes bei ihrer Mutter wohnen bleibt. Nach der Geburt zieht die Ehefrau zu ihrem Mann in das Haus und beantragt innerhalb der folgenden drei Monate Baukindergeld.

Beispiel 5

Herr A und Frau B kaufen im Jahre 2018 zu je 50 Prozent ein Einfamilienhaus. Sie haben drei Kinder, die unter 18 Jahre alt sind. Für Kind 1 erhält der A Kindergeld, für Kind 2 und 3 Frau B.  Innerhalb von drei Monaten nach Einzug stellen sowohl Herr A als auch Frau B einen Antrag auf Baukindergeld.

Lösung

Das Baukindergeld wird für die Kinder 1 bis 3 gewährt. Im Verhältnis zur Eigenheimzulage muss man umdenken. Es handelt sich um ein Kindergeld, das an den Erwerb der selbstgenutzten Wohnung anknüpft und nicht um eine Eigenheimzulage. Dies bedeutet: Jedes Kind und jeder Antragsteller erhält die Förderung nur einmal. Für eine Immobilie kann die Zulage aber mehrfach beansprucht werden. 

Studie zum Baukindergeld: Junge Familien werden bei der Immobilienfinanzierung deutlich entlastet

5-Städte-Vergleich: Einsparpotenzial von 5 bis 63 Prozent ermittelt
Wohneigentum auch in den Metropolen Berlin und Hamburg realistisch finanzierbar
Zeitlich begrenzte Förderung erreicht jedoch zu wenige Familien und Haushalte

Das Baukindergeld hat das Potenzial, junge Familien beim Eigentumserwerb finanziell deutlich zu entlasten. Demnach wird die Förderung in Berlin, Hamburg, Leipzig, Nürnberg und Krefeld zu fast durchweg zweistelligen Entlastungen des Haushaltseinkommens führen. Eine Ersparnis von 5 bis 63 Prozent bei der Finanzierung der eigenen vier Wände ist möglich. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Erhebung des Centers for Real Estate Studies (CRES) im Auftrag des Immobilienverbandes IVD, die heute in Berlin vorgestellt wurde.

„Unsere Erhebung belegt, was in der öffentlichen Debatte um das Baukindergeld leider etwas zu kurz kommt: die Förderung durch das Baukindergeld wird positive Wirkung erzielen. Junge Familien werden bei der Rückzahlung ihrer Immobilienfinanzierung deutlich entlastet. Selbst wenn wir die regional stark unterschiedlichen Immobilienpreise berücksichtigen, geht die Rechnung auf: Wohneigentum kann in den meisten Lagen, egal ob in Berlin, Hamburg, Leipzig, Nürnberg oder Krefeld für viele förderberechtigte Haushalte erschwinglicher werden“, sagte IVD-Präsident Jürgen Michael Schick und ergänzt: „Die Studienergebnisse deuten außerdem darauf hin, dass dem Baukindergeld gerade im ländlichen Raum erhebliches Potenzial zukommen kann. Aufgrund der dort herrschenden Preisniveaus dürfte das Baukindergeld nachhaltige Bleibeakzente setzen.“

Die Studie des CRES untersucht, inwieweit das Baukindergeld (1.200 Euro je Kind pro Jahr mit zehn Jahren Laufzeit) Familien beim Erwerb von Wohneigentum hinsichtlich der Tilgung ihrer Immobiliendarlehen entlasten kann. Für die Untersuchung wurden auf Basis durchschnittlicher Einkommenswerte und lagespezifischer Immobilienpreise die regional möglichen Entlastungseffekte in fünf ausgewählten Städten in Deutschland hochgerechnet. Ansatz der regional differenzierten Betrachtung bildeten die Haltestellen im jeweiligen Verkehrsnetz und die Dauer der Fahrtzeit vom Stadtzentrum aus.

„Die Studie kommt zu dem Ergebnis, dass die Entlastung durch das Baukindergeld in allen untersuchten Städten bei Familien mit einem Kind zwischen 2,2 und 7,7 Prozent liegt. Je weiterem Kind vervielfacht sich der entsprechende Satz. Die Studie zeigt, dass in allen untersuchten Städten Wohneigentum in Stadtteilen erschwinglicher ist, die entweder in geringer Entfernung zu den Stadtzentren befinden oder, wie im Fall von Krefeld, sogar im Stadtzentrum“, so Prof. Dr. Marco Wölfle, wissenschaftlicher Leiter des CRES.

Berlin

In Berlin (durchschnittliches Familienhaushaltsnettoeinkommen 36.119 Euro pro Jahr) beträgt die Einkommensbelastung in zentraler Lage am Bahnhof Friedrichstrasse in Mitte zwischen 54 und 66 Prozent. Das Baukindergeld reduziert diese um vier Prozent für ein Kind und bis zu zehn Prozent für drei Kinder. In den Lagen um die Verkehrsnetz-Haltestellen Ostkreuz, Westkreuz, Südkreuz, Gesundbrunnen, Pankow, Wittenau, Alt-Tegel, Alt-Mariendorf und Rathaus Steglitz belastet die Immobilienfinanzierung ohne Baukindergeld das Haushaltseinkommen um bis zu 27 Prozent, mit Baukindergeld sinkt dieser Wert auf 23 Prozent. Grund für den geringeren Entlastungseffekt sind die deutlich niedrigeren Immobilienpreise in den genannten Bezirken. Das größte Einsparpotenzial weisen die Viertel um die Haltestellen Wartenberg und Spandau auf: In Spandau beträgt die Einkommensbelastung bei drei Kindern und entsprechendem Baukindergeld lediglich 20 Prozent, in Wartenberg sogar nur 14 Prozent.

Hamburg

In Hamburg (durchschnittliches Familienhaushaltseinkommen 45.137 Euro pro Jahr) führt Eigentumserwerb in zentraler Lage (Hauptbahnhof, HafenCity, Universität) zu einer Einkommensbelastung zwischen 53 und 65 Prozent. Mit Baukindergeld reduziert sich dieser Wert um drei Prozentpunkte bei einem Kind bis acht Prozentpunkte bei drei Kindern. In den umliegenden Stadtteilen, die innerhalb von 20 Minuten mit dem öffentlichen Nahverkehr erreichbar sind, sinkt diese Belastung aufgrund der geringeren Immobilienpreise für eine Familie mit drei Kindern um bis zu 42 Prozentpunkte auf 23 Prozent, durch das Baukindergeld sogar auf rund 20 Prozent. So muss eine Familie mit drei Kindern in Harburg oder Billstedt lediglich 20 beziehungsweise 21 Prozent ihres Haushaltseinkommens für die Tilgung aufwenden.

Leipzig

In Leipzig (durchschnittliches Familienhaushaltseinkommen 33.068 Euro pro Jahr) belastet der Immobilienerwerb das Einkommen junger Familien mit 30 bis 37 Prozent. Das Baukindergeld führt hier zu einer Entlastung von drei Prozentpunkten bei einem Kind und bis zu elf Prozent bei drei Kindern. In allen anderen Stadtteilen, die alle bis auf Leipzig-West in weniger als 20 Minuten erreichbar sind, ergibt sich ein ähnliches, teils aber auch teils deutlich geringere Einsparpotenzial. In Wiederitzsch liegt die Belastung ohne Baukindergeld bei 21 bis 26 Prozent, mit Baukindergeld bei 18 bis 15 Prozent. Im Durchschnitt bewirkt die Förderung im gesamten Leipziger Stadtgebiet eine Einsparung von rund elf Prozentpunkten, wodurch der Eigentumserwerb in der sächsischen Messestadt mit Baukindergeld überall attraktiv ist.

Nürnberg

Ein ganz ähnliches Ergebnis zeigt die Frankenmetropole Nürnberg (durchschnittliches Familienhaushaltseinkommen 40.948 Euro pro Jahr). Ein Eigentumserwerb in der teuersten Lage an der Schmausenbuckstraße belastet das Haushaltseinkommen einer Familie mit einem Kind mit 37 Prozent, das einer Familie mit drei Kindern sogar mit 45 Prozent. Das Baukindergeld senkt diesen Wert um drei Prozent bei einem Kind beziehungsweise neun Prozentpunkte bei dreien. Um das Nürnberger Zentrum, maximaler Fahrtzeitradius von 10 Minuten, liegen die Preise und Einsparpotenziale auf einem ähnlichen Niveau. Im weiteren Umkreis mit 10 bis 20 Minuten Fahrtzeit, sinken die Preise. In Sankt Leonhardt liegt die Einkommensbelastung ohne Baukindergeld bei 23 bis 28 Prozent, mit Förderung bei 20 bis 19 Prozent. Abgesehen von der Lage Schmausenbuckstraße führt der Kauf einer Eigentumswohnung demnach nirgendwo zu einer Haushaltsbelastung von über 26 Prozent, unabhängig von der Anzahl der Kinder.

Krefeld

Krefeld (durchschnittliches Familienhaushaltseinkommen 39.382 Euro pro Jahr) hebt sich von den anderen untersuchten Städten ab. Denn hier weist das Zentrum das günstigste Preisniveau auf, die außen gelegenen Stadtteile Traar und Forstwald hingegen die teuersten Immobilienpreise. Für eine Eigentumswohnung in der Nähe des Krefelder Hauptbahnhofs beläuft sich die durchschnittliche Belastung auf 12 bis 14 Prozent, abhängig von der Wohnungsgröße. Mit Baukindergeld reduziert sich die Belastung auf neun Prozent bei einem Kind und fünf Prozent bei drei Kindern. Im relativ hochpreisigen Traar liegt die Belastung bei 26 bis 32 Prozent ohne Baukindergeld und 22 bis 24 Prozent mit Baukindergeld. Addiert man die Preisunterschiede und den Fördereffekt des Baukindergelds, dann ergibt sich eine Verringerung der darlehensbedingten Haushaltsbelastung um bis zu 27 Prozentpunkte.

„Das Unterstützungspotenzial ist beachtlich, dass das Baukindergeld beim Immobilienerwerb entfaltet. Die Perspektive, dass eine dreiköpfige Familie durchschnittlich nur gut 6 Prozent des Kaufpreises einer Immobilie in Berlin über das Baukindergeld abdecken kann, greift zu kurz. Neben dem durchschnittlichen Kaufpreis müssen vor allem Lageunterschiede entlang des ÖPNV-Netzes, die Einkommens- und Eigenkapitalsituation betrachtet werden. Dies führt zu ganz deutlich spürbaren Wirkungen des Baukindergeldes. Sind junge Familien innerhalb Berlins mobil und nutzen das Baukindergeld, lassen sich signifikante Senkungen der monatlichen Belastung und daher Steigerungen der Erschwinglichkeit erreichen“, fasste Prof. Dr. Marco Wölfle zusammen.

IVD-Präsident Jürgen Michael Schick sieht weiteren Förder- und Nachbesserungsbedarf: „Der durch die Förderbedingungen stark eingegrenzte Förderkreis von schätzungsweise rund 2,4 Millionen Familien kommt dem Anspruch an eine breit angelegte, flächendeckende Fördermaßnahme nur teilweise nach. Denn die Befristung der Antragstellung auf einen Zeitraum von drei Jahren, vom 01.01.2018 (rückwirkend) bis zum 31.12.2020, reduziert die maximale Reichweite auf insgesamt etwa 600.000 antragsstellende Familien. Wir würden uns daher wünschen, dass der Bezugszeitraum des Baukindergeldes verlängert und der Erwerberkreis – zum Beispiel um Alleinerziehende mit Kindern – erweitert wird. Flankierend zum Baukindergeld muss das im Koalitionsvertrag stehende Bürgschaftsprogramm als Eigenkapitalersatz eingeführt werden. Zudem sollte Ersterwerbern von selbstgenutzten Wohnimmobilien ein Freibetrag von der Grunderwerbsteuer gewährt werden. Das wäre der effektivste und einfachste Weg, um Wohneigentum weiter zu fördern.“

Grundlage der Untersuchung

Für die Studie wurden Preis- und Mengendaten der lokalen Immobilienmärkte in den untersuchten Städten herangezogen. Die durchschnittliche nachgefragte Wohnfläche wurde auf der Grundlage von Mikrozensusdaten ermittelt. Damit ergeben sich Wohnungsgrößen für eine Familie mit einem Kind von 105 Quadratmetern, mit zwei Kindern 121,2 Quadratmetern und mit drei Kindern 128,5 Quadratmetern. Die durchschnittlichen Haushaltseinkommen basieren jeweils auf den durchschnittlichen Pro-Kopf-Einkommen in den fünf Städten, multipliziert mit dem Faktor 1,8. Dies berücksichtigt, dass Familien mit Kindern in der Regel keine zwei vollen Einkommen zur Verfügung stehen, da ein Ehepartner entweder gar nicht oder nur teilweise arbeitet. Hinsichtlich der Immobilienfinanzierung wurde der Fremdkapitalanteil, angelehnt an Daten des vdp, mit 80 Prozent des Kaufpreises, ohne Steuern, Courtage und Gebühren, angesetzt. Die monatliche Belastung von 1,66 Prozent p.a ergibt sich in ihrer Basis aus dem Durchschnittssatzes von 2017, ergänzt um eine jährliche anfängliche Tilgung von durchschnittlich 2 Prozent p.a. Zusätzlich wurde eine Belastung durch Instandhaltungsrücklagen und Verwalterentgelte von einem Euro pro Quadratmeter und Monat pauschal angenommen.

Kommentare sind geschlossen.