Immobilienverband

IVD-Gewerbe-Preisspiegel 2019/2020: Berlin mit stärkstem Mietwachstum bei Einzelhandelsmieten

  • Einzelhandelsmieten in mehr als 370 Städten und Gemeinden erfasst
  • Mieten in Top-7 Metropolen legen zu
  • Abwärtstrend in Kleinstädten teilweise reduziert

Die Ladenmieten für Einzelhandelsimmobilien haben sich zwischen den dritten Quartalen 2018 und 2019 in Deutschland insgesamt positiv und im Durchschnitt ähnlich wie im Zeitraum zuvor entwickelt. So stagnierten die Mieten bundesweit für große Läden in Bestlage im Geschäftskern, für große Läden in 1A-Lage im Nebenkern stiegen die Mieten um rund 1 Prozent. Die-ser Trend wird jedoch fast ausschließlich durch die positive Entwicklung in den Top-7-Metropolen und Großstädten ab 100.000 Einwohnern getragen. „Die Schere in der Mietpreisentwicklung zwi-schen Großstädten auf der einen und den Mittel- sowie insbesondere Kleinstädten auf der anderen Seite öffnet sich immer weiter“, sagt Jürgen Michael Schick, Präsident des Immobilienverbandes IVD. „Kleinstädte verlieren ihren Handel zunehmend an die Fachmarktzentren auf der grünen Wiese. In den großen Städten profitieren vor allem High Street und Stadtteilzentren“, erläutert Schick. Zu die-sem Ergebnis kommt der neue IVD-Gewerbe-Preisspiegel 2019/2020, der mehr als 370 Städte und Gemeinden erfasst.

Ladenmieten in Berlin mit hohem Wachstum

Von den Top-7-Städten verzeichnet insbesondere Berlin deutliche Mietpreissteigerungen. Während etwa die Mieten für kleine Läden in 1A-Lage im Geschäftskern in allen anderen Metropolen stagnierten beziehungsweise in Stuttgart sogar leicht zurückgingen, sind sie in Berlin um 14 Prozent
angestiegen. Große Läden in Bestlage verteuerten sich in Berlin um 18 Prozent, kleine in 1B-Lage sogar um 27 Prozent. „Berlin macht bei den Ladenmieten die gleiche Entwicklung wie im Wohnungssegment. Die Hauptstadt war lange Zeit vergleichsweise günstig und holt nun gegenüber den anderen Metropolen mit großen Schritten auf“, erklärt Schick. In einigen Segmenten sind Ladenflächen inzwischen nur noch in München teurer als in der Bundeshauptstadt. Dennoch gibt es nach wie vor Aufholpotenzial. In High StreetLagen sind Mieten für kleine Läden vergleichsweise günstig und bei großen Läden liegt die Bundeshauptstadt im Metropolenvergleich im Mittelfeld.

Abwärtstrend in Kleinstädten teilweise gestoppt

Vor allem in Kleinstädten von 5.000 bis 20.000 Einwohner aber auch in vielen Mittelstädten bis 100.000 Einwohner sinken oder stagnieren seit 2009 die Ladenmieten in fast allen Segmenten. So lagen die Mieten für kleine Läden in Bestlage in Kleinstädten 2019 um fast 17 Prozent niedriger als noch 2009. In manchen Segmenten konnte der Abwärtstrend in Kleinstädten jetzt erst einmal verlangsamt werden. In allen Lagen im Nebenkern reduzierte sich die Preiskompression auf die niedrigste Rate seit 2017. 1B-Lagen im Nebenkern verzeichneten erstmals seit 2017 für große Läden keinen Rückgang der Mietpreise, sondern ein Plus von 1,3 Prozent. „Die langfristige Entwicklung zeigt jedoch weiter deutlich nach unten. Der stationäre Handel wird es in Klein- und Mittelstädten auch künftig schwer haben“, so Schick.

Großstädte verzeichnen Mietwachstum

In den Großstädten ab 100.000 Einwohnern sind die Ladenmieten zwischen 2018 und 2019 im Schnitt in fast allen Segmenten gestiegen. Während im vergangenen Jahr vor allem 1B- und Neben-kernlagen zu den Gewinnern zählten, ist in diesem Jahr kein solcher Trend zu erkennen. Dabei wuchsen die Mieten für große Läden meist leicht stärker als für kleine Läden; in Bestlage im Geschäftskern im Schnitt etwa um 1,5 gegenüber 1,4 Prozent, in 1A-Lage im Nebenkern um 2,5 gegenüber 1,6 Prozent.

Entwicklung der Ladenmieten großer Objekte (ca. 150 Quadratmeter) im Geschäftskern nach Stadtgrößen 2019 gegenüber dem Vorjahr

Entwicklung der Ladenmieten großer Objekte (ca. 150 Quadratmeter) im Nebenkern nach Stadtgrößen 2019 gegenüber dem Vorjahr

Ranking der 15 teuersten Ladenmieten (Schwerpunktmieten) je Quadratmeter in den Großstädten für große Ladenflächen (ca. 150 Quadratmeter) in 1A-Lage im Geschäftskern 2019

Über den IVD-Gewerbepreisspiegel
Der IVD-Preisspiegel basiert auf IVD-Preisdatensammlungen von etwa 370 Städten und Gemeinden. Die Daten wurden im zweiten und dritten Quartal 2019 erhoben. Der Preisspiegel unterscheidet zwischen 1A- und 1B-Lagen in den Kernbereichen einer Großstadt (= Geschäftskern) sowie nach 1A- und 1B-Lagen in großstädtischen Nebenkernen (z. B. Geschäftskern im eingemeindeten Vorort). Die Begriffe 1A- und 1B-Lage entsprechen den in der Praxis gängigen Unterscheidungen. Als Beurteilungs kriterien werden dazu beispielsweise die Passantenfrequenz, der Branchenbesatz und die Geschlos senheit der Schaufensterfront herangezogen.

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