Immobilienverband

Wie man das Homeoffice steuerlich absetzen kann

Arbeitszimmer und Homeoffice-Pauschale

Viele von uns haben in den letzten Wochen und Monaten coronabedingt statt wie gewohnt im Büro in ihrer Wohnung gearbeitet. Für manche ist und wird das Arbeiten von zu Hause sogar der neue Standard. Spätestens mit Abgabe der Steuererklärung 2020 wird sich deshalb für viele die Frage stellen, ob und in welchem Umfang die Kosten für das Homeoffice abziehbar sind. Worauf dabei geachtet werden sollte, erläutert im Folgenden der Immobilienverband IVD.

Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer

Schon bisher waren die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 b Sätze 2 und 3 EStG abzugsfähig. Davon konnten allerdings viele nicht profitieren. Denn die Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer sind nur abzugsfähig, wenn es sich um einen abgeschlossenen Raum handelt, der ausschließlich oder zu mindestens 90 Prozent zu beruflichen Zwecken genutzt wird. Wer sich nur eine Arbeitsecke einrichtet oder seine Arbeit am Küchentisch oder auf dem Sofa im Wohnzimmer erledigt oder kann die anteiligen Kosten der Wohnung nicht nach dieser Vorschrift geltend machen, sondern nur die neue sogenannte Homeoffice-Pauschale von 5 EURO pro Tag in Anspruch nehmen. Eine weitere Voraussetzung für die Abzugsfähigkeit der Kosten für das Arbeitszimmer ist, dass für die berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. In normalen Zeiten handelt es sich dabei vor allem um Fälle, in denen der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer keinen Raum zur Verfügung stellt. Ähnlich sieht es für Unternehmer aus, die ihr Geschäft ausschließlich von zu Hause aus betreiben und kein weiteres Büro und kein „Ladenlokal“ haben. Während der Corona-Pandemie ist diese Voraussetzung aber auch dann erfüllt, wenn ein Arbeitsraum zwar vorhanden ist, man diesen aber nicht nutzen darf oder kann. Das ist beispielsweise der Fall, wenn das Gebäude gesperrt worden ist, der Arbeitgeber den Arbeitnehmer angewiesen hat, von zu Hause aus zu arbeiten oder man sich in Quarantäne befunden hat. Wenn das Arbeitszimmer nicht in einem räumlichen Zusammenhang mit der Wohnung steht, gilt es nicht als häuslich. In diesem Fall können deshalb die gesamten Kosten für den Raum ohne Einschränkung als Werbungskosten abgezogen werden. Dabei handelt es sich um Fälle, in denen der Arbeitnehmer auf eigene Kosten einen Arbeitsraum etwa in eine Coworking Space anmietet.

Abziehbare Aufwendungen

Zu den abziehbaren Kosten des Arbeitszimmers gehören zunächst anteilige Miete und Betriebskosten der Wohnung. Die auf das Arbeitszimmer entfallenden Kosten sind nach dem Verhältnis der Fläche des Arbeitszimmers zu der Wohnfläche der gesamten Wohnung zu ermitteln. Gehört dem Arbeitnehmer die Wohnung, können die anteiligen Gebäudeabschreibungen, Schuldzinsen und Betriebskosten geltend gemacht werden. Sind die Voraussetzungen für die Abziehbarkeit nur während eines Teils des Jahres erfüllt, sind die betreffenden Kosten auch nur zeitanteilig zu berücksichtigen. Das wäre beispielsweise der Fall, wenn der Büroraum in der Firma nach der Corona-Pandemie wieder genutzt werden darf.
Wird der private Laptop während der Heimarbeit beruflich genutzt, können die Kosten, die auf diese Zeit entfallen, steuerlich geltend gemacht werden. Da die Nutzungsdauer für ein Notebook, ein Tablet etc. mit drei Jahren angesetzt wird, beträgt die Jahresabschreibung ein Drittel des Kaufpreises.

Beschränkung auf 1.250 Euro

Die Höhe der abziehbaren Aufwendungen darf die Obergrenze von 1.250 Euro im Jahr nicht überschreiten. Da es sich um einen Jahresbetrag handelt, gilt der Höchstbetrag auch dann in voller Höhe, wenn das Arbeitszimmer nur während eines Teils des Jahres genutzt wird. Eine zeitanteilige Kürzung findet nicht statt.

Nutzung durch mehrere Personen

Wird das Arbeitszimmer von mehreren Personen genutzt, kann jeder die jeweiligen Aufwendungen bis zur Höhe von 1.250 Euro abziehen. Der Höchstbetrag ist personenbezogen zu verstehen und gilt nicht für das Arbeitszimmer.

Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit

Bildet das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit, können die beruflich verursachten Kosten in vollem Umfang ohne Obergrenze berücksichtigt werden. Dies dürfte bei Arbeitnehmern, die nicht im Außendienst tätig sind und (coronabedingt) ausschließlich in ihrem Homeoffice arbeiten, in der Regel der Fall sein.

Homeoffice-Pauschale

In vielen Fällen liegen die Voraussetzungen für den Abzug von Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 b Sätze 2 und 3 EStG nicht vor, weil es sich entweder nicht um einen gesonderten Raum handelt oder der Raum auch für private Zwecke genutzt wird. Aus diesem Grund ist durch das Jahressteuergesetz 2020 mit § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 b Satz 4 EStG ein weiterer Abzugstatbestand geschaffen worden. Nach der Neuregelung kann der Steuerpflichtige einen pauschalen Betrag von 5 EURO für jeden Kalendertag abziehen, an dem er seine gesamte betriebliche oder berufliche Tätigkeit ausschließlich in der Wohnung ausübt und der häusliche Arbeitsplatz nicht die Voraussetzungen für den Abzug von Aufwendung für ein häusliches Arbeitszimmer erfüllt. Damit sind auch Fälle begünstigt, in denen die Tätigkeit in einem Raum ausgeübt wird, der auch privat genutzt wird, wie etwa der Küche oder dem Wohnzimmer. Liegen die Voraussetzungen für die Anerkennung eines häuslichen Arbeitszimmers nach § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 b Sätze 2 und 3 EStG vor, kann der Steuerpflichtige den Pauschbetrag geltend machen, wenn er auf die Geltendmachung der Aufwendungen für das Arbeitszimmer verzichtet. Mit der Tagespauschale sind sämtliche Aufwendungen für die Nutzung der Wohnung abgegolten.

Die Pauschale kann nicht für Kalendertage in Anspruch genommen werden, an denen der Steuerpflichtige seine berufliche Tätigkeit auch an einem anderen Ort ausübt.

Die Homeoffice Pauschale gilt für Gewerbetreibende, Freiberufler und Arbeitnehmer. Die Tagespauschale ist auf einen Höchstbetrag von 600 EURO begrenzt (120 Tage). Dieser Höchstbetrag vervielfältigt sich nicht, wenn der Steuerpflichtige mehrere berufliche Tätigkeiten ausübt, sondern ist dann auf die einzelnen Tätigkeiten aufzuteilen. Wird eine Wohnung von mehreren Personen für ihre berufliche Tätigkeit genutzt, kann jede von ihnen die Pauschale bis zu dem Höchstbetrag geltend machen.

Der Homeoffice-Pauschbetrag kann nicht zusätzlich zu dem allgemeinen Arbeitnehmerpauschbetrag von 1.000 EURO geltend gemacht werden, so dass er sich nur auswirkt, wenn weitere Werbungskosten geltend gemacht werden und dadurch insgesamt der Werbungskostenpauschbetrag überschritten wird.

Die Homeoffice-Pauschale ist zeitlich auf Tätigkeiten beschränkt, die in den Jahren 2020 und 2021 ausgeübt werden.

 

18. Januar 2021

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Hans-Joachim Beck

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