Immobilienverband

Wohneigentum muss gefördert statt mit einem Bauverbot für Einfamilienhäuser verhindert werden

• Beim Hausneubau werden höchste Effizienzstandards eingehalten
• Erneuerung von Bestandshäusern kann Flächenverbrauch begrenzen
• Politik sollte den Trend zum Umland nicht durch Verbote stoppen

Die aktuelle Diskussion um ein Neubauverbot für Einfamilienhäuser in Hamburg-Nord zeigt aus Sicht des Immobilienverbands Deutschland IVD die Schieflage der wohnungspolitischen Debatte in Deutschland auf. Das Wohnungsbauprogramm des Bezirks Hamburg-Nord sieht vor, in neuen Bebauungsplänen keine Einfamilienhäuser mehr auszuweisen. Der Vizepräsident des IVD, Dirk Wohltorf, befürchtet einen bundesweiten Nachahmungseffekt.

„Es kann nicht Aufgabe des Staates sein, seine Bürger zu bevormunden und zu erziehen. Die Politik darf den Menschen nicht eine bestimmte Lebensform vorschreiben und ihnen verbieten, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten. Nichts anderes passiert gerade in Hamburg-Nord“, sagt Wohltorf. Der IVD-Vizepräsident weiter: „Während das Einfamilienhaus anderswo in Europa seitens der Politik als erstrebenswerte Sicherheit für Familien und Beitrag zur Altersvorsorge gewürdigt wird, wird es hierzulande als klimapolitischer Sündenfall an den Pranger gestellt.“ Dabei müssen Bauherren schon heute auf höchste Energiestandards achten, die sich zum einen aus dem Gebäudeenergiegesetz und zum anderen aus den Bedingungen für oftmals genutzte Förderungen ergeben. Zwar nehme ein Einfamilienhaus mehr Fläche pro Bewohner in Anspruch als etwa der Geschossbau. Allerdings ziehen auch fast immer Familien mit mehreren Kindern in Einfamilienhäuser.
Außerdem bieten sich dem Staat verschiedene Möglichkeiten abseits von Verboten, um gegen Flächenversiegelung vorzugehen.

Wohltorf sieht viel Potenzial in der Erneuerung älterer Bestandshäuser, insbesondere Fertighäuser aus den 1960er und 1970er Jahren, und der Förderung von Ersatzneubau: „Wenn der Staat möchte, dass auf der grünen Wiese weniger gebaut wird, sollte er nicht einfach nur verbieten, sondern könnte beispielsweise eine ‚Abwrackprämie‘ für alte Gebäude gewähren.“ Auf diese Weise könnten viele im Krieg oder direkt danach entstandene Siedlungshäuser oder häufig mit Asbest und Eternit gebaute Fertighäuser aus den 1960er und 1970er Jahren durch hocheffiziente Neubauten ersetzt werden.

Gerade angesichts der Pandemie gewinnen persönliche Entfaltungsmöglichkeiten und das Wohnen im Grünen für viele Menschen stark an Bedeutung. Unterstützt wird dieser Trend von der Arbeitsmöglichkeit im Homeoffice. Laut einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom können sich aktuell rund 21 Prozent der Deutschen einen Umzug ins Umland vorstellen, sofern das Arbeiten von zu Hause auch nach der Pandemie gewährt wird. Unter jüngeren Befragten ist dieser Anteil nochmals höher.

„Das Einfamilienhaus ist und bleibt die beliebteste Wohnform der Deutschen. Es schafft Freiheit für Familien und macht die Eigentümer unabhängig von der künftigen Entwicklung der Mietmärkte“, sagt Dirk Wohltorf. „Niemand sollte daran gehindert werden, sich den Traum vom Wohnen im Grünen zu verwirklichen. Vielmehr bräuchte es einen Ausbau der seit Jahren zu niedrigen Eigentumsquote, um den Lebensstandard im Alter zu sichern.“ Wohneigentum ist untrennbar mit dem Vermögensaufbau in Deutschland verbunden und sollte weiter gefördert, statt wie in Hamburg-Nord verhindert werden.

 

10. Februar 2021

Foto von Heiko Senebald

Heiko Senebald

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