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Das häusliche Arbeitszimmer –Neue Regelungen ab 2023

 Sie haben sich wahrscheinlich auch zu Hause ein Arbeitszimmer eingerichtet, um auch nach Feierabend noch arbeiten zu können und nicht jeden Tag zur Arbeit fahren zu müssen. Nach dem Grundsatz des Einkommensteuerrechts können die Kosten für diesen Arbeitsplatz nur in bestimmten Ausnahmefällen steuermindernd abgezogen werden.

Voraussetzung für die Abzugsfähigkeit der Kosten ist zunächst, dass es sich bei dem Arbeitszimmer um einen selbständigen Raum handelt - und nicht bloß um eine Arbeitsecke. Dieser Raum muss ausschließlich oder so gut wie ausschließlich für berufliche Zwecke genutzt werden. Eine private Mitbenutzung zu mehr als 10 Prozent ist schädlich.

Die bisherige Regelung

Wenn für die betreffende Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung stand, konnten die Aufwendungen bisher bis zu einem Höchstbetrag von 1.250 Euro als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abgezogen werden. Stellte das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit dar, konnten die Kosten in vollem Umfang abgezogen werden.

Bis 2022 

Häusliches ArbeitszimmerKein AbzugHöchstbetrag  1.250Abzug der gesamten Kosten
Prinzipx  
Dauerhaft kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung x 
Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit  x

 

Durch das Jahressteuergesetz 2022 wird geregelt, dass die Kosten nur noch dann abgezogen werden können, wenn kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Dadurch soll verhindert werden, dass sich die Kosten von zwei Arbeitsräume steuermindernd auswirken, einmal für das Büro im Betrieb und außerdem für das Büro zu Hause. In der Gesetzesbegründung heißt es, dass dadurch eine „sparsame Raumnutzung begleitet und unterstützt werden“ soll. Bei dem anderen Arbeitsplatz muss es sich nicht um einen räumlich abgeschlossenen oder individuell zugeordneten Arbeitsbereich handeln, sodass auch ein Arbeitsplatz in einem Großraumbüro „steuerschädlich“ ist. Auch wenn der andere Arbeitsplatz dem Steuerpflichtigen nur an einigen Tagen zur Verfügung steht, ist ein Abzug ausgeschlossen, weil der Gesetzgeber das Merkmal „dauerhaft“ eingefügt hat: Der andere Arbeitsplatz darf in beiden Alternativen dauerhaft nicht zur Verfügung stehen. In Betracht kommt in diesen Fällen daher nur ein Abzug der Tagespauschale nach § 4 Abs. 5 Nr. 6 c.

Bildet das Arbeitszimmer nicht den Mittelpunkt der gesamten Tätigkeit und steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, können die Kosten für das Arbeitszimmer weiterhin in einem begrenzten Umfang von 1.250 Euro abgezogen werden. Der bisherige Höchstbetrag von 1.250 Euro wird aber in eine Pauschale (Jahrespauschale) umgewandelt, sodass man die Kosten in Zukunft nicht mehr im Einzelnen darlegen und nachweisen muss.

Steht kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung und stellt das Arbeitszimmer außerdem den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit dar, können die Kosten in vollem Umfang abgezogen werden. Als Kosten können bei einer Mietwohnung die anteilige Miete und Betriebskosten abgezogen werden, bei einer Eigentumswohnung oder einem eigenen Haus auch die anteilige Gebäude Afa, Schuldzinsen und Instandhaltungskoten. Für die Frage, ob das Arbeitszimmer den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit darstellt, ist nicht auf die Arbeitszeit abzustellen, die in dem Arbeitszimmer aufgewendet wird, sondern auf inhaltliche Gesichtspunkte. In dem Arbeitszimmer muss diejenige Tätigkeit ausgeübt werden, die für die betreffende berufliche Tätigkeit wesentlich und prägend ist (BMF-Schreiben vom 6.10.2017, BStBl. I 2017, S. 1320, Tz. 9).  Bei Maklern dürfte es daher ausgeschlossen sein, dass das häusliche Arbeitszimmer als Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit anerkannt wird. Wen Sie außer dem häuslichen Arbeitszimmer kein weiteres Büro haben, können Sie die Jahrespauschale von 1.250 EURO geltend machen.

 

Übersicht Arbeitszimmer ab 2023

Häusliches ArbeitszimmerKein AbzugJahrespauschale  1.250Abzug der gesamten Kosten
Prinzipx  
Dauerhaft kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung  

x

 
Dauerhaft kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung

+

Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit

   

 

 

X

 

 

  1. Home-Office-Pauschale (Tagespauschale)

Wegen der Corona-Pandemie ist die sog. Homeoffice-Pauschale eingeführt worden. In den Steuererklärungen für die Jahre 2020, 2021 und 2022 konnte man für jeden Kalendertag, an dem man ausschließlich zu Hause gearbeitet hat, einen pauschalen Betrag von 5 Euro absetzen. Die Pauschale war auf maximal 120 Arbeitstage begrenzt, sodass im Jahr höchstens 600 Euro geltend gemacht werden konnten.

Durch das Jahressteuergesetz 2022 wird die Obergrenze ist für das Jahr 2023 auf 1.000 Euro erhöht. Bisher war erforderlich, dass man an den betreffenden Tagen ausschließlich zu Hause gearbeitet hat. Nach der Neuregelung genügt es, wenn die berufliche Tätigkeit an dem betreffenden Tag überwiegend in der Wohnung ausgeübt wird und keine außerhalb der Wohnung belegene erste Tätigkeitsstätte aufgesucht wird. Die Tagespauschale kann man auch dann geltend machen, wenn einem ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung steht.

Steht für die berufliche Tätigkeit kein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, ist ein Abzug der Tagespauschale auch dann zulässig, wenn die Tätigkeit am gleichen Kalendertag auch auswärts oder an der ersten Tätigkeitsstätte ausgeübt wird. In diesen Fällen kann sowohl die Entfernungspauschale als auch die Tagespauschale geltend gemacht werden.

Steht dem Steuerpflichtigen für die berufliche Tätigkeit ein anderer Arbeitsplatz zur Verfügung, ist der Abzug der Tagespauschale für die Kalendertage ausgeschlossen, an denen die Voraussetzungen für den Abzug der Entfernungspauschale gem. § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 4 EStG erfüllt sind, weil neben der Tätigkeit in der Wohnung die erste Tätigkeitsstätte aufgesucht wurde.

Ein Abzug der Tagespauschale ist nicht zulässig, soweit für die berufliche Tätigkeit in der Wohnung Unterkunftskosten im Rahmen des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 a EStG oder des § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 5 EStG (doppelte Haushaltsführung) abgezogen werden können. Bisher bestand dagegen die Möglichkeit, die Home-Office-Pauschale für Tage, an denen die berufliche Tätigkeit ausschließlich in der Wohnung am Beschäftigungsort (Zweitwohnung) ausgeübt wurde, zusätzlich zu den Kosten für die Zweitwohnung anzusetzen. Für Tage, an denen die berufliche Tätigkeit ausschließlich in der Hauptwohnung am Erstwohnsitz ausgeübt wurde, konnte die Home-Office-Pauschale geltend gemacht werden, ohne dass die Kosten für die Zweitwohnung gekürzt wurden.

Ein Abzug der Tagespauschale ist nicht zulässig, wenn die Kosten für das Arbeitszimmer nach Nr. 6 b abgezogen werden, also entweder in Höhe der vollen Kosten oder mit der Jahrespauschale von 1.250 Euro. Sind sowohl die Voraussetzungen der Nr. 6 b für den Abzug der Jahrespauschale oder der vollen Kosten als auch diejenigen für den Abzug der Tagespauschale nach der Nr. 6 c erfüllt, hat der Steuerpflichtige – wie bisher - ein Wahlrecht zwischen beiden Möglichkeiten.

Wie bisher wird die Home-Office-Pauschale in den Arbeitnehmer-Pauschbetrag mit eingerechnet. Danach zieht das Finanzamt bei jedem Arbeitnehmer eine Werbungskostenpauschale ab. Seit 2011 betrug diese Pauschale 1.000 Euro pro Kalenderjahr. Durch das Steuerentlastungsgesetz 2022 erhöht sich die Pauschale um 200 Euro und beträgt ab dem 1. Januar 2022 1.200 Euro im Jahr. Wenn die Home-Office-Pauschale und die anderen Werbungskosten nicht mehr als 1.200 Euro betragen, wirkt sich die Home-Office Pauschale nicht aus.

 

 

VRFG a.D. Hans-Joachim Beck

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