Der Wohnungsmarkt ist hart umkämpft – besonders in Ballungsräumen. Betrüger nutzen das gezielt für ihre Zwecke aus. Mit professionell wirkenden, oft besonders attraktiven Inseraten versuchen sie, Suchende zu täuschen. Doch Sie können sich schützen. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie achten sollten.
TIPPS FÜR VERBRAUCHERINNEN UND VERBRAUCHER
Augen auf bei der Immobiliensuche: So schützen Sie sich vor Betrug
Sie suchen einen Profi?
Gemeinsam gegen Betrug bei der Immobiliensuche
Die führenden Immobilienportale ImmoScout24, immowelt, Kleinanzeigen und Immobilie1 setzen sich gemeinsam mit uns für die Bekämpfung von Betrug bei der Immobiliensuche ein. Ziel der Initiative ist es, Wohnungssuchende über typische Betrugsmaschen aufzuklären, Immobilienmakler für Risiken wie Identitätsdiebstahl zu sensibilisieren und bestehende Schutzmaßnahmen weiterzuentwickeln.
Der vom IVD initiierte Schulterschluss soll helfen, neue Betrugsmuster frühzeitig zu erkennen und abgestimmte Präventionsstrategien umzusetzen. Dazu bündeln die Akteure ihre Erfahrungen und tauschen aktuelle Erkenntnisse aus. Außerdem wollen sie die Zusammenarbeit mit Ermittlungsbehörden und der polizeilichen Kriminalprävention intensivieren. Die Initiative wurde im Rahmen des Deutschen Immobilientags 2025 in Berlin vorgestellt.
Darauf sollten Sie achten
Grundsätzlich gilt: Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen. Betrüger versuchen, schnelle Entscheidungen zu erzwingen. Nehmen Sie sich Zeit, prüfen Sie alle Details und beachten Sie unsere Tipps, um eine Wohnung oder ein Haus zu finden.
Wenn ein Angebot zu schön ist, um wahr zu sein…
… dann ist es das meist auch. Eine großzügige Wohnung in bester Lage zum Schnäppchenpreis? In der Regel ein klares Warnsignal! Vergleichen Sie ähnliche Angebote in der Umgebung – so erkennen Sie schnell, ob der Preis realistisch ist.
Identität des Anbieters prüfen
Fragen Sie nach dem vollständigen Namen und einer Telefonnummer des Anbieters. Reagiert dieser ausweichend, sollten Sie stutzig werden. Übrigens: Ein vollständiges Impressum und klare Kontaktangaben sind bei gewerblichen Anbietern Pflicht. Prüfen Sie die Angaben auf Plausibilität, nehmen Sie telefonisch Kontakt auf – Betrüger meiden den persönlichen Kontakt.
Keine persönliche Besichtigung
Ein häufiges Muster: Der angebliche Vermieter gibt vor, im Ausland oder anderweitig verhindert zu sein – eine persönliche Besichtigung sei deshalb nicht möglich. Oder Sie werden gebeten, die Besichtigung allein durchzuführen. Die dafür erforderlichen Schlüssel erhalten sie vor Ort über einen Schlüsseltresor. Lassen Sie sich auf keinen Fall darauf ein. Die Immobilie könnte von den Betrügern selbst nur für ihre Machenschaften angemietet worden sein (oft im Zuge der Untervermietung oder als Ferienimmobilie).
Der „falsche“ Mietvertrag
Ein Mietvertrag allein bietet Ihnen keine Sicherheit. Muster für Mietverträge können über das Internet schnell beschafft und angepasst werden. Beachten Sie unbedingt unsere übrigen Tipps.
Vorsicht bei Vorauszahlungen
Seriöse Vermieter verlangen keine Zahlungen, bevor Sie den Mietvertrag unterschrieben haben. Forderungen nach einer Vorauszahlung für ein mögliches „Besichtigungsrecht“ sind unseriös und deuten auf Betrug hin. Auch vermeintliche Ablösezahlungen für vorhandenes Mobiliar (bspw. eine Einbauküche) sollten nicht vor Abschluss des Mietvertrages, der Schlüsselübergabe und Mietbeginn geleistet werden.
Seien Sie besonders skeptisch, wenn Sie Geld ins Ausland überweisen oder per Bargeldtransfer zahlen sollen.
Mietsicherheit – aber sicher
Bei der Anmietung einer Wohnung wird zwischen Vermieter und Mieter in der Regel eine Kaution vereinbart. Die Kaution dient dem Vermieter als Sicherheit, wenn Miete oder Nebenkosten nicht gezahlt oder Schäden in der Wohnung verursacht werden.
Gut zu wissen: Es ist gesetzlich geregelt, dass die Kaution höchstens das Dreifache der vereinbarten Monatsmiete betragen darf (§ 551 BGB). Ebenso ist geregelt, dass die Kaution erst zu Beginn des Mietverhältnisses zu leisten ist – also nicht bereits bei Vertragsabschluss. Mieter haben außerdem das Recht, die Kaution in drei gleich großen monatlichen Raten zu leisten.
Auf keinen Fall sollten Sie eine Kaution überweisen, bevor Sie die Wohnung besichtigt, einen Mietvertrag unterschrieben und die Schlüssel erhalten haben.
Traumimmobilie gefunden? Seien Sie sparsam mit Daten
Sie haben das passende Objekt gefunden? Nehmen Sie Kontakt mit dem Anbieter auf. Geben Sie dabei aber nur unbedingt notwendige Informationen preis. Schwärzen Sie sensible Daten in Ausweiskopien oder Einkommensnachweisen. Halten Sie die Kommunikation möglichst lange auf der Plattform – nur dort schützen Sie die Sicherheitssysteme der Plattformbetreiber.
Seien Sie besonders aufmerksam, wenn der Anbieter von Ihnen ein bestimmtes Verfahren zur persönlichen Identifikation (bspw. „PostIdent“ oder „VideoIdent“) fordert – womöglich dient dieses einem anderen (betrügerischen) Zweck.
Hier erhalten Sie Hilfe
Holen Sie sich Unterstützung – verdächtige Anzeigen melden
Viele Plattformen bieten eine Funktion zum Melden unseriöser Angebote. Nutzen Sie diese Funktion, um sich selbst und andere zu schützen. Holen Sie sich eine zweite Meinung – Freunde, Familie oder der örtliche Mieterverein helfen oft schon mit einem unabhängigen Blick weiter.
Sollten Sie Opfer eines Betruges geworden sein oder einen Betrug vermuten, zögern Sie nicht, dies zur Anzeige zu bringen. Nutzen Sie dazu die Möglichkeit einer Online-Strafanzeige – die Polizei bietet hierfür mit ihren Online- bzw. Internetwachen Anlaufstellen.
Bleiben Sie wachsam – aber optimistisch
Lassen Sie sich nicht entmutigen. Wer mit gesunder Skepsis sucht, hat gute Chancen, die gewünschte Immobilie zu finden.
Übrigens: Ihre Aufmerksamkeit schützt nicht nur Sie selbst – sondern auch andere. Teilen Sie diese Tipps daher auch mit Freunden oder Bekannten, die ebenfalls auf der Suche nach einem neuen Zuhause sind. Gemeinsam machen wir es Betrügern schwer.
Ansprechpartner
Bundesverband
Geschäftsführer, Syndikusrechtsanwalt